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27Feb2012

Überprüfung des Grundtaktes

Sehr geehrter Herr Vorsitzender der DADINA-Verbandsversammlung Hörr,

wir bitten Sie, den folgenden Antrag bei der kommenden 04./IV Sitzung der DADINA-Verbandsversammlung am 21. März 2012 behandeln zu lassen.

Die Verbandsversammlung der DADINA möge beschließen:

Der DADINA-Vorstand wird gebeten zu untersuchen, welche Auswirkungen die Umstellung des Grundtaktes von 15’/30’ auf einen Grundtakt 10’/20’ für Fahrgäste und Angebotserstellung (insbesondere die Kosten) erwarten lassen.

Begründung:

Der öffentlichen Nahverkehr war in der Vergangenheit mehr noch als andere Verkehrsträger durch starke Lastspitzen und Lasttäler geprägt, die den Ressourcenbedarf des Systems prägen. Die absolute Lastspitze tritt auch aktuell noch in den Morgenstunden vor Schulbeginn auf; auf diese ist der Fuhrpark ausgelegt. Dies ist mit ernormen Kosten für die Fahrzeugvorhaltung verbunden. Als eine Reaktion auf diese Tatsache hat die DADINA in Ihrem Nahverkehrsverkehrsplan unter anderem die Möglichkeit eröffnet, dass für einen sehr geringen Teil der Fahrplanleistung auch vergleichsweise alte Fahrzeuge mit niedrigen Umweltanforderungen eingesetzt werden dürfen, um den Unternehmen in der Morgenspitze die Chance zum Einsatz gut erhaltener Altfahrzeuge zu geben und damit die Kosten zu senken.

Insbesondere durch die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitszeiten und der Ladenöffnungszeiten sowie gestiegener Ansprüche an die Freizeitgestaltung und dem einhergehenden stärkeren Freizeitmobilitätsbedürfnis ist zunehmend zu beobachten, dass sich die Nachfrage im Tagesverlauf kontinuierlicher entwickelt und auch in den bisherigen Randstunden deutlich zunimmt. Auch gezielte Angebote wie die vergünstigte 9 Uhr-Karte dürften einen Anteil an dieser Entwicklung haben.

Die früher deutlich schwächeren Nachfragezeiten wie an Werktagen Vormittags zwischen etwa 9:00 und 11:30 Uhr oder auch im Abendverkehr ab 19:00 Uhr existieren in ihrer ursprünglich deutlichen Ausprägung in dieser Form nicht mehr. Der ÖPNV im DADINA-Gebiet hat diesen Wandel in Teilen nachvollzogen. So hat die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten einen Prozess angestoßen, der in mehreren Schritten und analog zur Entwicklung der Nachfrage zu einer leichten Verlängerung der Hauptverkehrsbetriebszeit geführt hat. Auch die schon seit einigen Jahren vorhandene lastrichtungsbezogene Verstärkung der Linie K zwischen der Innenstadt und dem Universitätscampus Lichtwiese  wird nicht nur punktuell, sondern vergleichsweise kontinuierlich im Tagesverlauf angeboten.

Diese Beispiele lassen es interessant erscheinen, eine strategische und gesamtheitliche Diskussion über die Adaption der neuen Rahmenbedingungen zu führen. So kann es interessant sein, anstelle des aktuell praktizierten Grundtaktmodells mit einem Grundtakt von 15 Minuten, der durch die Überlagerung von Linien in der Hauptverkehrszeit auf 7,5 Minuten verdichtet wird, und einem Takt 30’ in den Abendstunden den Grundtakt auf einen über den ganzen Tag konstanten Grundtakt von 10 Minuten zu ersetzen, der in den Abendstunden auf einen Takt 20’ reduziert wird (die Tagsüber im Takt 30’ bzw. Abends im Takt 60’ verkehrenden Linien wären hiervon nicht betroffen). Hierdurch könnte nicht nur ein kontinuierlicherer Fahrzeugeinsatz (bei ggf. leicht verringerter Fahrzeugvorhaltung) möglich sein, sondern es steht zu erwarten, dass ein deutlich besser merkbarer Grundtakt von 10 Minuten im Tagesverkehr (auch Samstags, wo es erheblichen Mehrbedarf gibt) anstelle des Takt 7,5’ von den Fahrgästen nicht als Nachteil empfunden wird, jedoch Ressourcen bereitstellt, welche die deutliche Angebotsverbesserung im Abendverkehr von einem Takt 30’ auf einen Takt 20’ in Summe kostenneutral ermöglicht. Unter anderem die Stadt Mannheim war mit einem ähnlichen Konzept sehr erfolgreich und hat die Fahrgastzahlen deutlich gesteigert (vgl. Anlage).

Eine derartige Umstellung stellt jedoch einen tiefgreifenden Eingriff in das System dar und will daher wohl überlegt sein. Eine entsprechende Untersuchung kann Aufschluss über Wirkung auf Fahrgäste, Leistungsbereitstellung und Finanzierung ebenso liefern, wie die nötige Betrachtung über die Durchgängigkeit und Konsistenz des Systems im Verbund (Anschlussbeziehungen und Vertaktung mit dem SPNV und dem Regionalverkehr).

 

Mit freundlichen Grüßen,

gez. Felix Weidner, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Fraktionsvorsitzender


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Verfasst am 27.02.2012 um 10:00 Uhr von mit den Schlagwörtern , .
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