Weiter zum Inhalt
Straßenbahn Ostkreis » Mit der Straßenbahn nach Roßdorf und Groß-Zimmern?
22Apr2011

Mit der Straßenbahn nach Roßdorf und Groß-Zimmern?

Auch dank des Artikels im Darmstädter Echo am 14. April 2011 gibt es wieder eine Diskussion in der Öffentlichkeit über den Bau einer Straßenbahn nach Roßdorf und Groß-Zimmern. In diesem Zusammenhang haben uns inzwischen verschiedene eMails erreicht, die sich teils sehr kritisch mit dem Thema beschäftigen. Daher im Folgenden die wichtigsten Facts zu dem Thema:

Aus eigener Betroffenheit wissen viele ÖPNV-Nutzer, dass der ÖPNV insbesondere nach Roßdorf aber auch in viele weitere östlich von Darmstadt gelegene Landkreisgemeinden einen hohen Qualitäts- und Leistungsstandard erreicht hat. Maßgeblich dazu beigetragen hat unsere konsequente Arbeit in der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (DADINA). In diesem gemeinsamen Zweckverband der Stadt und des Landkreises haben wir zuletzt vor etwa 8 Jahren einen wirklich großen Qualitätssprung in den Ostkreis initiiert, als das Schnellbussystem eingeführt wurde.

Trotz der schon hohen und mit dem Schnellbussystem auch stark gewachsenen Akzeptanz des ÖPNV kommen aber auch unverändert viele Bürgerinnen und Bürger des Landkreises mit dem Auto nach Darmstadt gefahren. Mehr als 50% der in Darmstadt durchgeführten PKW-Fahrten haben ihre Quelle oder ihr Ziel in den unmittelbar an Darmstadt angrenzenden Städten und Gemeinden. Um die BürgerInnen in Darmstadt ebenso wie in den umgebenden Orte von Lärm, Abgasen und anderen negativen Folgewirkungen des Verkehrs zu entlastet, müssen wir daher noch mehr Leute für den ÖPNV gewinnen. Genau vor diesem Hintergrund haben wir GRÜNE in Stadt und Landkreis ein gemeinsames Programm für den ÖPNV erarbeitet, mit dem wir zur jüngsten Kommunalwahl angetreten sind (vgl. http://dadina-gruene.de/?page_id=10). Dieses Programm wollen wir nun sukzessive abarbeiten.

Speziell bezogen auf die Verbundung zwischen Darmstadt und dem Ostkreis sind wir heute jedoch in der unglücklichen Lage, dass wir faktisch kein zusätzlichen Angebot für eine weitere Attraktivitätssteigerung unterbreiten können. Auch dies werden viele Nutzer aus eigener Betroffenheit kennen: Die Busse sind heute schon voll, teilweise überfüllt. Wir würden gern mehr Fahrzeuge einsetzen, um dieser zusätzlichen Nachfrage auch gerecht zu werden. Dies ist aber schlicht nicht möglich. In der Spitzenstunde fahren bereits heute rund 50 Busse vom Ostbahnhof in Richtung Innenstadt und weiter zum Hauptbahnhof (nur diese Fahrtrichtung, Gegenrichtung nicht berücksichtigt). Dies führt zu massiven Problemen im Verkehr in Darmstadt, auf der Landgraf-Georg-Straße, in der Bismarckstraße aber insbesondere in der Innenstadt. Das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde hat sehr deutlich gemacht, dass zusätzliche Fahrzeuge auf dem Luisenplatz faktisch nicht mehr genehmigungsfähig sind. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Busse stehen nicht im Stau, sondern sind bereits der Stau.

Genau vor diesem Hintergrund gab es in Darmstadt bereits vor etwa zwei Jahren Überlegungen, die Straßenbahn zum Ostbahnhof zu reaktivieren und alle Busse dort enden zu lassen. Wir haben dies verhindert, weil damit die über Jahren mühevoller Kleinarbeit von vielen Akteuren gemeinsam aufgebaute Attraktivität des ÖPNV mit einem Schlag vor die Wand gefahren worden wäre. Aber der Druck ist unverändert da.

Wenn wir die Attraktivität des ÖPNV gemeinsam erhalten und weiter steigern wollen (dafür setzen wir uns nachdrücklich ein), dann ist das Nachdenken über ein leistungsfähigeres System unverzichtbar. Dies muss nicht zwingend eine Straßenbahn sein. Aber wir dürfen uns keine Scheuklappen aufsetzen, indem wir bestimmte Möglichkeiten direkt ausschließen.

Die Prüfung einer Straßenbahn muss daher aus unserer Sicht ein Aspekt bei der von der DADINA in diesem Jahr durchzuführenden Untersuchung sein, wie der ÖPNV in den Ostkreis weiter verbessert werden kann. Natürlich werden bei der Prüfung und Diskussion, die wir auch mit den Betroffenen frühzeitig im Planungsprozess führen werden, insbesondere Aspekte wie Naturraum und Erschließungsqualität beleuchten. Und natürlich gilt dabei die Maßgabe, dass eine ggf. erforderliche veränderte Bedienung nicht zu einer Angebotsverschlechterung führen darf.

Lassen Sie uns gemeinsam diskutieren, wie dies erreicht werden kann. Wir laden Sie zu dieser Diskussion ganz herzlich ein und freuen uns auf Ihre Beiträge.

Eine Straßenbahn ist kein Selbstzweck, sondern kann nach sorgfälltiger Abwägung ein Medium sein, um das Ziel – nachhaltige Mobilität – zu erreichen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dafür hoffen wir auf Ihre Unterstützung.

Verfasst am 22.04.2011 um 15:44 Uhr von mit den Schlagwörtern , , , , .
Artikel auf Twitter oder Facebook posten.
Kommentar-Feed des Artikels.

Schreibe einen Kommentar